Es wird Zeit für World of Warcraft 2

Ich spiele World of Warcraft jetzt seit mehr als 11 Jahren. Nicht durchgängig, aber immer wieder. Wie so viele habe ich angefangen, das Spiel zu spielen weil Freunde es gespielt haben und bin dann dabei hängen geblieben. Zwar habe ich zwischendurch auch andere Online-Rollenspiele gespielt, aber ich habe immer die News zu World of Warcraft verfolgt und auch jedes neue Addon zumindest angespielt. Vor anderthalb Jahren, kurz vor dem Start des Addons Legion bin ich Vollzeit zu dem Spiel zurück gekehrt. Jetzt nähert sich auch dieses Addon seinem Ende und Anfang November soll das nächste Erweiterung angekündigt werden. Das bringt viele Spieler dazu, darüber zu spekulieren, wie es mit dem Spiel weitergehen wird. Teil dieser Spekulationen sind natürlich auch die Wünsche der Spieler, wie sie sich die Entwicklung des Spieles wünschen.

Da mache ich natürlich keine Ausnahme. Dabei interessiere mich die Spielmechaniken uns wie man sie verbessern könnte eher weniger. Ich bin Rollenspieler. Ich betrachte das ganze aus der Sicht meines Charakters und überlege, wie es storytechnisch weitergehen könnte. Und ich denke, in dieser Hinsicht in World of Warcraft auserzählt. Mit jedem Addon und den immer größer werdenden Herausforderungen, die wir gemeistert haben, stieg auch der Status und das Ansehen unseres Charakters. In Warlords of Draenor waren wir einer der Anführer der Expedition in die Vergangenheit um die Eiserne Horde aufzuhalten und seit Legion sind wir der Anführer unserer Klasse und besitzen dazu noch ein ganzes Arsenal der berühmtesten Waffen aus der Geschichte von World of Warcraft, mit denen wir irgendwann demnächst die Brennende Legion besiegen werden. Wie soll es da für unsere Charaktere noch weitergehen? Sollen sie noch Könige werden oder gar zu Göttern aufsteigen?

Aus der Sich eines Rollenspielers ist das Ende von Legion der Punkt, wo man seine Kampagne beendet, die Charaktere in den verdienten Ruhestand schickt und mit neuen Charaktere in eine neue Kampagne startet. Aber das kann man im aktuellen World of Warcraft natürlich nicht machen. Azeroth hat das Potential für noch viele Geschichten aber ich denke, es braucht ein neues Spiel um sie erzählen zu können. Es braucht World of Warcraft 2.

Was sollte so ein WoW 2 aber alles enthalten? Das offensichtlichste ist natürlich ein Update der Grafik. Zwar hat sich die Grafik von WoW über die Jahre immer weiter verbessert, aber der Stil ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Auch das Kampfsystem könnte man überarbeiten, zum Beispiel in dem man von dem aktuellen Tab-Targeting zu einem Action-Combat-System wechselt, bei dem man das Ziel selber anvisieren und seinen Angriffen aktiv ausweichen muss. Einige Charakterklassen könnten ebenfalls eine Überarbeitung erfahren, allen voran der Wildheits-Druide, der derzeit einfach zu sehr wie ein Schurke funktioniert und dem dadurch eine Eigenheit fehlt, die es interessant macht, ihn zu spielen.

Natürlich wird es kein World of Warcraft 2 geben. Mag WoW über die Jahre auch Spieler verloren haben aber es wird immernoch von Millionen Menschen weltweit gespielt. Und solange das der Fall ist, wird man kein neues Spiel entwickeln, das es ablösen soll. Und auch wenn ich der Meinung bin, dass WoW auserzählt ist, bin ich sehr gespannt auf das neue Addon und werde es auf jeden Fall ausprobieren.

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Warum „The Orville“ die Science-Fiction-Serie ist, die wir dringend brauchen.

Wir leben in düsteren Zeiten. Und das meine ich nicht auf die Weltlage bezogen sondern in diesem Fall auf die Science Fiction bezogen. Düstere Zukunftsvisionen liegen voll im Trend, sowohl im Fernsehen als auch im Kino, sei es Battlestar Galactica (2003-2009) oder die Tribute-von-Panem-Filme (2011-2015). Sogar Star Trek, eigentlich das Sinnbild für eine positive, fast schon utopische Zukunft, präsentiert mit der neuen Serie Discovery (2017-) eine düsteres Kriegsszenario. Protagonisten dieser Geschichten sind oft gebrochene, traumatisierte Figuren, die sich oft in Rollen wiederfinden, die sie nicht gewollt haben und für die sie nicht vorbereitet sind. Das ergibt zwar spannende Unterhaltung aber all diesen Geschichten fehlt eine gewisse Leichtigkeit.

In dieser Lücke hat sich die neue Serie The Orville (2017-) positioniert. Die am 10. September gestartete Science-Fiction Serie von und mit Seth MacFarlane (Family Guy) ist eine gelungene Hommage an Star Trek – The Next Generation (1987-1994), gespickt mit einer Prise Humor. Im Zentrum der Geschichte steht Captain Ed Mercer (MacFarlane) , der nach vielen Jahren endlich sein eigenes Kommando bekommt. Ihm zur Seite stehen der Pilot Gordon Malloy (Ed Grimes, Emergency Room), Mercers bester Freund, der zweite Offizier Bortus (Peter Macon, Shameless), der aus einem rein maskulinen Volk stammt, die scharfzüngige Schiffsärztin Dr. Claire Finn (Penny Johnson Jerald, Star Trek Deep Space Nine), der lockere Navigator John LaMarr (J. Lee, Family Guy), die junge aber bärenstarke Sicherheitschefin Alara Kitan (Halston Sage, The Bling Ring) sowie die künstliche Lebensform Isaac (Neuling Mark Jackson).  Einzig der Posten des ersten Offiziers ist mangels Kandidaten zunächst noch unbesetzt, bis sich jemand freiwillig meldet: Eds Exfrau Kelly Grayson (Adriann Palicki, Agents of S.H.I.E.L.D.), die ihn einst mit einem blauhäutigen Alien betrogen hat. Der Humor der Serie entsteht dabei vor allem aus der Interaktion der sehr unterschiedlichen Charaktere und ihren Eigenheiten. Dabei fällt positiv auf, dass die Figuren sich selber nicht ganz so ernst nehmen, was sie sehr sympathisch macht.

Man sollte sich jedoch nicht täuschen lassen. Auch wenn die Trailer es vermuten lassen, The Orville ist keine reine Comedy-Serie. Die erzählten Geschichten stehen denen aus den besten Staffeln von Star Trek in nichts nach. Sie sind vielschichtig, werfen moralische Fragen auf und scheuen sich auch nicht vor unbequemen Antworten. Der Humor, der durchaus anarchische Züge annehmen kann, komplementiert oft die Handlung ohne ihr dabei die Tiefe oder die Komplexität zu nehmen. Gelegentlich geht er auch auf die Meta-Ebene, zum Beispiel wenn Captain Mercer einen Alien-Captain, mit dem er audiovisuell kommuniziert, bittet, sich ein wenig nach rechts zu bewegen weil das übertragene Bild unausgewogen sei.

Diese Selbstironie und der Humor verleihen dieser Serie eine Leichtigkeit ohne dabei auf Tiefe zu verzichten. Und damit  ist The Orville eine willkommene Abwechslung in der heutigen Fernsehlandschaft. Was der Serie jedoch ein wenig zu schaffen macht, ist die fehlende Eigenständigkeit. Inhaltlich und optisch könnte die Serie eine Star-Trek-Serie sein. Das einzige, was The Orville bisher davon unterscheidet, ist eben dieser Humor. Auf Dauer wird das nicht reichen um die Serie am Leben zu erhalten. Das zeigen auch die Einschaltquoten, laut denen die Serie bisher leider kein Hit ist. Ich wünsche mir sehr, dass die Serie im Laufe der ersten Staffel noch seine eigene Stimme findet und nicht nur weiterhin Star Trek kopiert und mit ein paar Lachern garniert.

The Orville läuft seit dem 10. September 2017 auf dem US-Sender Fox, über eine deutsche Ausstrahlung ist noch nichts bekannt.